TL 2.0

Nach nun mehr als 17 ½ Jahren als Konstruktionsingenieur und Statiker für Bewegungstechnik im Veranstaltungsgewerbe habe ich mich entschieden, ein neues Kapitel in meiner Biografie zu beginnen. Vielleicht ist es auch ein komplett neues Buch, dessen erste Seite ich in der nahen Zukunft zu schreiben beginne. Ich tausche mein Büro gegen ein Klassenzimmer, den Gong beim Einstempeln in die Pause mit der Schulklingel und den Plotter gegen Kreide und Tafelschwamm. Meine Zukunft findet in Klassenräumen, Schulfluren und Lehrerzimmern statt. Diskussionen führe ich dann nicht nur mit mehr oder weniger erfahrenen Kollegen, sondern mit Schülerinnen, Eltern und Lehrerkolleginnen. Und das werde ich aus der Überzeugung heraus tun, dass ich Kindern etwas beibringen kann, was ihnen im Leben weiterhilft. Dabei will ich den Spagat zwischen dem, was mir als wichtig erscheint und dem, was Lehrpläne, Schulbücher und das Regierungspräsidium vorgeben, schaffen. Mein zukünftiges Leben wird sich mit Problemen von pubertierenden Teenagern genauso auseinandersetzen, wie mit der Korrektur von Klassenarbeiten und dem Würfeln der Zeugnisnoten. Dabei will ich ein paar Punkte keineswegs vergessen:

  • Ich war auch einmal Schüler (Teenager).
  • Jeder ist in irgendetwas gut, und wenn das nicht die Fächer sind, die ich unterrichte, muss dieser Jemand auch nicht alles wissen. Es reicht, wenn jeder sein Bestes gibt.
  • Ich bringe jedem und jeder den Respekt entgegen, der ihr oder ihm gebührt. Bist du unfreundlich zu mir, kann ich auch unfreundlich sein!
  • Schleimspuren mag ich nicht! Nett sein, im Unterricht aufpassen und diesen mitzugestalten führen aber zu einem guten Ergebnis.

Es wird in den nächsten Jahren bestimmt auch Momente geben, an denen ich mich zurücksehne an meinen alten Arbeitsplatz, an dem ich meine Arbeitszeit für mich eingeteilt habe, an dem ich entschieden habe, in welcher Reihenfolge ich eine Aufgabenliste abarbeite, an dem ich entscheiden konnte, ob ich mal eben kurz im Internet etwas recherchiere und an dem ich entschieden habe, ob ich eine halbe Stunde früher nach Hause fahre oder doch eine Stunde länger machen will. In Zukunft gibt es einen festen Stundenplan für mich. Der weist sicherlich auch die eine oder andere Freistunde auf, in denen ich etwas vor- oder nacharbeiten kann. Aber der Stundenplan sieht auch Konferenzen, Elternsprechtage und -abende vor. Aber anstatt wie bisher jeden Tag mindestens 30 Minuten morgens und 30 Minuten nachmittags im Auto sitzen zu müssen, weil es mit dem ÖPNV mehr als drei Mal so lange dauern würde, um ins Büro zu kommen, werde ich in Zukunft innerhalb von 10 Minuten an meinem Arbeitsplatz sein. Und wenn ich etwas vergessen habe, kann ich noch mal schnell umdrehen und es holen und bin immer noch früh genug am Ziel. Anstatt wie bisher etwa 220 Tage im Jahr, werden es in Zukunft nur noch knapp 190 Tage sein, die ich zur Arbeit muss. Wenn man dazu berücksichtigt, dass es einmal in der Woche auch mal 20-30 Minuten länger dauert, sind das so nur noch 40 Stunden Fahrzeit im Jahr anstatt 242 Stunden. Das bedeutet knapp 200 Stunden mehr Quality-Time im Jahr. Wenn ich dann noch davon ausgehe, dass ich bisher an 220 Tagen zwischen 6 (freitags) und 8 Stunden (mo-do) im Büro verbringe plus 30 Minuten Pause, kommen so 1782 Stunden im Jahr zusammen. Gehe ich nun von 8 Stunden pro Schultag an 190 Schultagen im Jahr aus, sind das 1520 Stunden. Also genau 262 Stunden weniger. Plus die 200 Stunden aus der Fahrzeit, sind das knapp 460 Stunden mehr Zeit für mich, meine Familie und für meine Freunde. Das sind mehr als 19 ganze Tage à 24 Stunden (!) oder 57 Tage mit je 8 Stunden Arbeit im Jahr weniger.

Sicher werden die ersten beiden Jahre bis zum 2. Staatsexamen kein Zuckerschlecken. Ich bin mir bewusst, dass ich dazu viel Zeit investieren muss, um ein guter Lehrer zu werden. Es gilt Unterrichtsstunden vorzubereiten, einen Plan für jede einzelne Unterrichtseinheit zu erstellen, Ziele für die Schülerinnen und Schüler festzulegen und Arbeitsblätter auszudrucken. Aber, den Vorteil habe ich gegenüber vielen Lehrern: Die Arbeit am PC ist mir nicht fremd. Ich kenne die Software, ich kenne gute Quellen im Internet und ich kenne ein paar erfahrene Lehrer, von denen ich mir jederzeit Tipps holen kann. Ich kann unter extremen Druck arbeiten (und erziele dabei die besten Ergebnisse) und kann, im aller schlimmsten Fall, wieder in meinen alten Beruf zurückwechseln. Ich bin weiterhin angestellt und zu nichts lebenslangem Verpflichtet.

Den wohl größten Respekt bei der Aufgabe habe ich vor den Schülern. Kinder, von denen viele lernen wollen, von denen einige lernen müssen und von denen einige nichts lernen wollen und die die Schule als eine Art Showbühne sehen, auf der sie sich vor einem Publikum profilieren können. Diese gilt es in den Griff zu bekommen und auf dem schmalen Pfad zwischen Oberlehrer und Kumpel zu einem Ziel zu führen, von dem sie noch nicht wissen, wo es sein soll. Sie sind wie ein roher, weicher Teig ohne jegliche Spannung, der von außen Schicht für Schicht in eine Form gebracht werden muss und aus dem am Ende eine prächtige Torte werden soll. Jede dieser Torten hat dabei eine andere Form, eine andere Füllung und einen anderen Geschmack. Als Lehrer habe ich dafür zu sorgen, dass kein Kuchen verbrennt oder halbgar die Backröhre des Lebens verlässt. Man kann bei der Verarbeitung dem Teig immer wieder zeigen, wie er einmal aussehen könnte und aus wie vielen Ebenen die fertige Torte einmal bestehen könnte. Aber am Ende entscheidet der Kuchen selbst, ob er von anderen verspeist wird oder ob er als Meisterstück und als Vorbild für andere Torten genutzt werden will.

Ich für meinen Teil habe diesen Schritt mehr als gründlich überlegt und bin durch viele Gespräche und noch mehr schlaflose, aber gedankenreiche Nächte zu dem Ergebnis gekommen, dass ich das Richtige tue. Meine Frau, meine Familie, meine Freunde und sogar meine Arbeitskollegen stehen geschlossen hinter mir. Ich werde nun Lehrer!

Reden

In der guten, deutschen Sprache
kann man labern, plappern, sagen.
Auch wenn viele, viele Leute
doch gar nichts zu sagen haben!

Sie können quatschen, sich unterhalten,
wie die Jungen, so die Alten.
Sie können sprechen und erfragen,
rezitieren und vortragen.

Sie können Reden halten und doch nichts sagen!

Thorsten Lobert, 1998

Unser Balkon

Im Jahr 2015 haben wir auf der Rückseite unseres Hauses einen Balkon angebaut. Als Statiker und Konstrukteur war es für mich nicht allzu schwer, die Konstruktion zu entwerfen und statisch zu dimensionieren. Der Balkon sollte vor den beiden bodentiefen Balkontüren des Esszimmers gebaut werden.

Zunächst wollte ich den Balkon aus Stahlträgern herstellen lassen. Nach reichlicher Überlegung entschied ich mich dann aber dafür, die Konstruktion aus Holz zu bauen. Das hatte zwei Gründe. Zum einen war die Konstruktion aus Holz in der Herstellung günstiger als die Stahlvariante. Zum anderen war ich in der Lage, eine Holzkonstruktion alleine, ohne fremde Hilfe, herzustellen und zu montieren.

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Alles wird neu!

Willkommen auf thorsten-lobert.de! Was ist nicht alles seit der letzten Seite Aktualisierung passiert? Hauskauf, Hochzeit, 1. Geburt, neue Band, 2. Geburt, zwischen durch immer Renovieren, Sanieren und Umbauen, Musik machen, Konstruieren, Erfinden und Songs schreiben….

Für all das, was ich tue, ist ein Leben eigentlich viel zu kurz! Aber dennoch bin ich jeden Tag aktiv und nur selten kommt bis zum Abend nichts neuer heraus. Nur diese schöne Webseite hab ich lange vernachlässigt. Das werde ich nun nachholen und in den kommenden Wochen und Monaten Mal ganz neue Seiten (Achtung Wortspiel) von mir zeigen. Ich hab einen neuen Webhoster und nutze nun WordPress. Wie gesagt, alles wird neu!

Also viel Spaß beim lesen!

Kapitel 1: Und dann kam Tanja

Kapitel 1: Und dann kam Tanja

Erster Auszug aus meiner kleinen Autobiographie…

Veränderungen brauchen Zeit. Manche Veränderungen dauern nur Minuten, andere Jahrzehnte. Bei mir waren es knapp drei Jahre, in denen sich mein Leben von einem alleinstehenden Mittdreißiger in einer Mietwohnung zu einem verheirateten Familienvater in einer eigenen Doppelhaushälfte wandelte. Und so wurden die Träume, die seit mindestens einem Jahrzehnt in mit wohnten und die ich schon fast vergessen wollte, Wirklichkeit.

Alles begann damit, dass ich am 7. April 2012 zu einem 30. Geburtstag eingeladen war und ich dieser Einladung sehr gerne folgte. Bei dem Geburtstagskind handelte es sich um einen guten Freund. Er spielte seit etwa zwei Jahren in der gleichen Band wie ich Gitarre und wir verstanden uns ganz gut. Wir waren nicht die allerbesten Musiker und ich würde behaupten, wir hätten dies niemals angestrebt, aber wir hatten Spaß bei der Sache. Wir coverten Songs von Pink, Melissa Etheridge und anderen Pop-Rock-Größen der Musikgeschichte und hatten in den vergangenen Jahren auch ein paar eigene Songs geschrieben, die bei denen, die sie hörten, gut ankam, auch ohne dass sie Geld für eine solche Aussage bekommen hätten.

Aber zurück zur Geschichte. Ich fuhr also an jenem Abend von Bottrop aus nach Dinslaken, wo die Party stattfand. Ich war bereits zuvor zwei, drei Mal in dieser eher kleineren Stadt im Kreis Wesel gewesen, aber so richtig erschließen wollte sich die Straßenführung noch nicht. Man fuhr von der Autobahn ab, fuhr über eine Landstraße, über die Emscher bog dann rechts ab, um diesen Fluss ein weiteres Mal zu überqueren.   Aber mein Navigationssystem brachte mich zielstrebig zum Ort des Geschehens, einem kleinen Saal in mitten einer Kleingartenanlage. Auf dem Parkplatz war für den nächsten Tag ein Werbeplakat für ein Monster-Truck-Rennen auf diesem Parkplatz. Und ein Autotransporter mit Schrottreifen Autos und einem der Monster-Truck stand schon wartend am Seitenrand. Hoffentlich komme ich hier noch rechtzeitig raus. Mein kleiner Twingo wäre wohl das ideale Fressen für ein solches Fahrzeug.

Die ersten Minuten des Abends waren eher nicht erwähnenswert. Ich gratulierte dem Geburtstagskind, begrüßte ein paar der Gäste, die ich kannte, nahm mir was zu essen von dem reichhaltigen Buffet und an einem Tisch platz, an dem ein ehemaliger Schlagzeuger von uns saß. Wir unterhielten uns angeregt und leerten das eine oder andere Glas. Da ich keinen Alkohol trank, waren diese meist mit Cola gefüllt. Nach etwa zwei Stunden machte sich die Gruppe um den Schlagzeuger auf den Weg nach Hause und ließ mich am Tisch sitzen. Während ich noch überlegte, ob ich noch lange bleiben würde, kam ein junger Mann von der Theke her zu mir an den Tisch und sagte: „Siehst du die da vorne an der Theke? Das ist Tanja und ich will das du jetzt zu ihr gehst und mit ihr redest!“ Im Gegensatz zu mir hatte mein Gegenüber bisher an diesem Abend nicht nur Cola in seinem Glas gehabt und ein einfaches „Ich werde gleich mal hin gehen.“, reichte ihm als Antwort nicht aus. Behaglich redete er weiter auf mich ein, dass ich doch zu ihr gehen sollte. Sie wolle mich unbedingt kennenlernen und noch einiges andere, was ich aber schnell wieder vergessen wollte. Nachdem ich ihm glaubhaft versichert hatte, dass ich gleich, wenn mein Glas leer ist, zu dieser jungen Dame an den Tresen kommen würde, verschwand er. Nicht aber ohne Gesten zu machen, bei denen er sich auf die Armbanduhr tippte. Als ich nach zwei weiteren Schlucken aus meinem Glas fast im Begriff war, mir eine neue Cola zu holen um dann mit dieser Tanja zu reden, kam der Hartnäckige wieder zu mir und fragte wieder, wann ich denn kommen wollte. OK, dachte ich mir. Ich hab ja nichts zu verlieren und ging einfach mal zur Theke, bestellte eine Cola und stellte mich dann zu der bis dahin noch Unbekannten.

Fortsetzung folgt…